Trauer in Zeiten der Krise

Da ich selbst gerade betroffen bin und meine Mama seit gut einem dreiviertel Jahr nun begleite in ihrem langsamen Sterbeprozess, weiß ich, wovon ich hier schreibe.

Ich weiß nicht, wie viele Menschen da draußen gerade im selben VOR-TRAUER-PROZESS stecken. Eine Zeit, die so schon nicht schwieriger sein könnte. Gleichzeit wird die Situation verschärft durch Besuchsverbote im Krankenhaus, Angst vor Ansteckungsgefahr und dem Wissen, dass vor allem die älteren Menschen mit all ihren Vorerkrankungen auf jede Art Erkältung sehr schnell und schlimm reagieren. 

 

Die Trauer in Zeiten der Krise beschäftigt sich jedoch auch mit ganz anderen weltlichen Themen:

  • Wie kann ich die Beerdigung organisieren?
  • Wer darf am Ende wirklich dabei sein, wenn ein lieber Angehöriger zu Grabe getragen wird?
  • Wie kann ich innerhalb der Familie etwas organisieren, was nicht sein darf und dennoch so wichtig ist für alle: Ein gemeinsames Abschiednehmen?

Wir alle stehen schon so vor enormen Herausforderungen mit Ausgangsbeschränkungen und Kinderbetreuung zu Hause. Wenn dann noch ein plötzlicher Todesfall hinzukommt oder ein lieber Angehöriger sich auf seine letzte Reise begibt, erscheint das ganze Theater da draußen nur noch zur Nebensache zu werden und man fragt sich, in welchem Film man eigentlich gerade gefangen ist.

 

Seit gestern liegt meine Mama auf der Palliativstation. Wenigstens hat sie nun nach über 3 Wochen Intensivstation ein Fenster und kann die Sonne wieder sehen. Doch ihr Körper ist schon lang bereit, den Kampf gegen Krankheiten aufzugeben. Allein ihre Seele braucht noch die Zeit des Loslassen und sich verabschieden von meinem Papa. 

 

Ich selbst erlebe ganz akut seit 3 Monaten eine Berg- und Talfahrt meiner Gefühle. Und obwohl ich von mir behaupten kann, dass ich in meiner Mitte bin, dass ich normal sehr ausgeglichen bin, fordert dieser emotionale Stress auch bei mir seinen Tribut. Negativer Stress, wie er in solchen Situationen nicht beiseite geschoben werden kann, zeigt sich bei mir z.B. in

  • Haarausfall
  • ständiger Appetit auf süßes
  • Gedankenkarusell (wenn ich nicht abgelenkt bin)
  • ein ständiges auf das Telefon schauen
  • Nervosität
  • das Gefühl, nicht geerdet zu sein
Du bist nicht allein
Du bist nicht allein

Du bist nicht allein - niemand ist allein

So wie wir niemals allein die Seiten wechseln und jeder Einzelne von uns abgeholt wird von Seelen, die bereits in der Geistigen Welt sind ... so sollten wir auch nie allein sein in Zeiten der Trauer und des Schmerzes. 

 

Doch wer hilft uns als Angehörigen, wenn wir in einer solchen VOR-TRAUER-PHASE stecken? Ich selbst bemerke immer öfter, dass es nur wenige Menschen in meinem direkten Umfeld gibt, die Interesse daran haben, wie es mir gerade wirklich geht.

 

Ja, vielleicht ist es ja normal, dass die eigene Mama irgendwann stirbt. 

Ja, vielleicht sollte ich mich meinen Gefühlen nicht so hingeben.

Ja, anderen ging es ähnlich.

 

DOCH NÜTZT MIR DAS ETWAS - JETZT - IN MEINEM SCHMERZ? NEIN!!!

 

JETZT fühle ich mich einen Tag gut und den nächsten Tag beschissen.

JETZT zieht es mich runter, wenn ich daran denke, dass ich ihre Stimme bald nie wieder hören werde.

JETZT ist meine Gefühlswelt im Eimer - völlig unkontrollierbar.

JETZT brauche ich mitfühlende Worte mehr denn je. 

 

Doch wo bleiben wir in Zeiten dieser Krise, wo jeglicher Kontakt zu anderen verboten wurde und nur noch das Telefon bleibt? Wo bleiben wir in Zeiten der Krise, wo eine Umarmung verpönt ist? Wo bleiben wir mit unserem Schmerz und Kummer und unseren zig tausend Gedanken? 

 

DU BIST NICHT ALLEIN!

 

Und auch, wenn ich weiß, dass die Seelen nicht sterben, sondern nur den physischen Körper verlassen, tut es weh. Ja, ich kann mich damit trösten, dass ich dann mit meiner Mama auf medialer Ebene kommunizieren kann. Doch selbst das hilft mir und vor allem ihr momentan nicht in der Zeit des Tränen trocknens und loslassens. 

 

Niemand sollte in dieser Zeit allein sein. Und genau deswegen habe ich mit 3 wundervollen Kolleginnen ein Online-Trauercafé ins Leben gerufen. 

kostenloses Online - Trauercafé

Jeden Dienstag abend ab 19 Uhr und Donnerstag ab 10 Uhr gibt es eine Online-Plattform über Zoom, in der wir uns mit Trauernden zusammensetzen werden, um 

  • zu fühlen
  • zu halten
  • zu tragen
  • zu unterstützen
  • zu helfen UND
  • zuzuhören.

 

Es wird hierbei auch verschiedene Themenbereiche geben, denen wir uns widmen wollen. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, die Trauer in Zeiten der Krise auszuhalten. 

 

WENN DU DABEI SEIN MÖCHTEST, DANN KOMME IN UNSERE FACEBOOK-GRUPPE "JENSEITSHORIZONT" ÜBER FOLGENDEN LINK:

https://www.facebook.com/groups/2393904567588582/

 

Hier findest du alle wichtigen Details.

Wir freuen uns auf dich. 

 

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